Was sind Implied Odds? Warum manche Draws lohnen, obwohl sie jetzt nicht rentabel sind
Manchmal rechnest du die Pot Odds und findest, „dieser Call lohnt sich nicht ganz", aber ein Profi callt trotzdem — weil er nicht nur den aktuellen Pot rechnet, sondern auch, wie viel er nach dem Treffer noch gewinnt. Dieses „später mögliche Zusatzgeld" sind die Implied Odds. Dieser Artikel erklärt, was sie sind und wie man sie nutzt.
Der Unterschied in einem Satz: jetzt vs. später
- Pot Odds: nur das Jetzt — der Einsatz, den du zahlst, vs. das Geld, das jetzt im Pot ist;
- Implied Odds: plus die Zukunft — wenn dieser Draw trifft, wie viel du auf den nächsten Straßen noch vom Gegner gewinnst.
Ein intuitives Beispiel: du hast einen Flush-Draw, und rein nach dem aktuellen Pot reicht es knapp nicht zum Callen. Aber du denkst: sobald der Flush trifft, setzt der Gegner mit seiner starken Hand wahrscheinlich weiter und gibt mir Geld — rechnest du dieses „später gewinnbare Geld" ein, lohnt der Call. Das ist der Kern der Implied Odds.
Welche Hände hohe Implied Odds haben
Nicht jeder Draw lohnt das Nachjagen über Implied Odds. Hände mit hohen Implied Odds erfüllen meist:
- getroffen versteckt: z. B. eine Straße aus kleinen Connectors, die der Gegner nicht sieht und daher weiter zahlt;
- getroffen groß: z. B. ein Nut-Flush-Draw — einmal getroffen, gewinnst du viel, nicht klein gegen klein;
- Stacks tief genug: dahinter muss genug zu gewinnen sein — bei kurzen Stacks gibt es „später" wenig zu holen, die Implied Odds sind niedrig.
Wann Implied Odds niedrig sind
Umgekehrt: in diesen Fällen zähl nicht auf Implied Odds:
- sehr flache Stacks: kaum Geld übrig, getroffen gewinnst du wenig;
- Treffer zu offensichtlich: liegen drei gleiche Farben auf dem Board, durchschaut der Gegner deinen Flush sofort und setzt nicht mehr;
- Gegner sehr tight, zahlt nicht: gegen jemanden, der bei getroffener Hand foldet, ist dein „später gewinnbares Geld" nahe null.
Drei Warnungen für Anfänger
- Implied Odds nicht als Allzweck-Ausrede: „falls es trifft, gewinne ich viel" wird leicht zur Ausrede für wildes Nachjagen. Sie sind ein Pluspunkt, kein Freibrief;
- Bei flachen Stacks zurück zu Pot Odds: ist das Geld nicht tief, rechne ehrlich nach den aktuellen Odds, träum nicht von später;
- Ehrlich schätzen, ob der Gegner zahlt: das Implied-Geld zählt nur, wenn der Gegner es wirklich rausrückt — nimm „er setzt bestimmt für mich" nicht als selbstverständlich.
In einem Satz: Implied Odds = Pot Odds + das Geld, das man nach dem Treffer noch vom Gegner gewinnt. Sie erklären, warum manche jetzt „leicht verlustige" Draws sich doch lohnen — sofern die Hand versteckt ist, groß trifft, die Stacks tief sind und der Gegner zahlt. Aber es ist eine Schätzung, keine Garantie; gerade Anfänger sollten sie nicht als Ausrede fürs wilde Nachjagen nehmen.
Wie man übt
Spiel mit Spielchips: rechne bei einem Draw zuerst die aktuellen Pot Odds, dann frag dich: „Wenn das trifft, wie viel gewinne ich noch vom Gegner? Ist er der Typ, der weiter für mich setzt?" Verbinde beide Schritte zur Call-Entscheidung. Mit Übung bekommst du ein plastischeres, genaueres Gefühl dafür, „ob dieser Draw das Nachjagen wert ist". Scheu die Rechnerei nicht, sie ist eigentlich ganz zugänglich.